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Westdeutsche Zeitung 30.06.06 Stammkunden helfen mit Bücherkette beim Umzug Am 30. Juli gibt die Buchhandlung Müller ihren Standort an der Neustraße endgültig auf. Ihr neues Domizil im Heine Haus entwickelt sich weiter. Das Kapitel geht zu Ende: Am 30. Juli zieht die Buchhandlung Müller endgültig vom alten Standort Neustraße ins Heine Haus an der Bolkerstraße um. Und jeder wird es mitbekommen. Denn mehr als 100 Kunden werden an diesem Tag mit einer Bücherkette quer durch die Fußgängerzone beim Umzug helfen. Während Mitinhaberin Selinde Böhm den Abschied über die vier Jahre Vorbereitungszeit verarbeitet hat, ist ihr Mann, Rudolf Müller, doch wehmütig: "Ich habe mich dort 16 Jahre sehr wohlgefühlt", sagt er leise, "allein die Quarzittreppe ist wunderschön." Die Wohnzimmer-Atmosphäre ihres alten Ladens tauscht das Ehepaar gegen das puristisch-elegante Flair des Geburtshaus Heines, in dem das graue, acht Meter lange Bücherregal den Hauptblickfang bildet. "Räumlich ist es ein Paradies", sagt Müller über das Geschäft, das das Ehepaar am 17. Februar, dem 150. Todestag Heines, eröffnete. Die Literaturhandlung sieht sich jedoch auch künftig nicht als "soundsovielte Heine-Gedenkstätte. Wir wollen nach vorne gehen: Wir präsentieren, was im Augenblick in der Literatur passiert und was zukunftsweisend ist", sagt Selinde Böhm. Aushängeschild ist dafür die Lesereihe "Neue deutsche Literatur", die im angrenzenden, lichtdurchfluteten Saal stattfindet. Zuletzt war die Frankfurter Autorin Inka Parei zu Gast, die 2003 den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt. Auch Büchnerpreisträger Durs Grünbein las schon im Heine Haus. Die Reihe wird am 30. August mit Martin Mosebach fortgesetzt, es folgen unter anderem die gebürtige Rumänin Herta Müller und der Schweizer Autor Peter Stamm. Mit dem endgültigen Umzug wird der Lesesaal ab August tagsüber auch als Cafe geöffnet sein, "samt Zeitungen und Lese-Exemplaren unseres Literaturangebots", verspricht Müller. Die Skepsis gegenüber dem neuen, belebteren Standort scheint bei den Inhabern hingegen verflogen zu sein. Noch vor einem Jahr sagte Selinde Böhm in einem Interview mit unserer Zeitung: "Ob sich in der Bolkerstraße unsere potenziellen Kunden tummeln, kann jetzt noch niemand sagen." Und nun? "Durch die Bolkerstraße gehen sehr viele Leute, die wir noch nicht als Kunden hatten", sagt Rudolf Müller. Aber das Publikum für ihr Sortiment abseits des Mainstreams finden sie dennoch. Allerdings: "Ohne unsere Stammkunden hätten wir uns diesen Umzug nicht zugetraut." Und auf die können Müller und Böhm beim Wechsel in genau einem Monat zählen. [Archivübersicht] |