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Rheinische Post 17.11.05/Düsseldorfer Kultur

Achtzig Steine Heine
Von Lothar Schröder

Noch ist das Erdgeschoss im Heine Haus eine große Baustelle.
Die Eröffnung ist am 17. Februar, Heines 150. Todestag. Zahlreiche Autoren kommen - unter anderem Cees Nooteboom, Wilhelm Genazino und Durs Grünbein.

Mitten in der Baustelle liegt ein wunderlicher Ziegelstapel. Schön geschichtet, sorgsam abgedeckt. Es sind die letzten stummen Zeugen vom echten Geburtshaus Harry Heines, die jetzt beim Umbau des alten Schnabelowpski auf eine neue, irgendwie funktionsgerechte Wiederverwertung warten.

Das Heine-Jahr 2006, in dem des 150. Todestags des Dichters (17. Februar) wie auch der Gründung der Heine-Gesellschaft vor 50 Jahren reichlich und feierlich gedacht werden sollen, wirft keinen Schatten voraus, sondern wartet derzeit mit einer Baustelle auf.

Der kalte Novemberwind fegt rücksichtslos durchs Erdgeschoss des Heine-Hauses an der Bolker Straße, wo spätestens Mitte Februar das neue Literaturhaus glänzen will – mit der neuen Buchhandlung von Rudolf Müller, einem Café und einem schicken, glasbedachten und säulenumstandenen Veranstaltungsort. Der wurde aus der alten Mata-Hari-Passage der neuen Literaturstätte zugeschlagen.

Sehr schön wird es, glauben Rudolf Müller und Selinde Böhm, die neuen Mieter. Und man will es allzu gerne mitglauben, doch bedarf es dazu dieser Tage noch viel Phantasie. Nämlich dafür, dass in diesem Rohbau am Eingang die Ladentheke stehen wird, der langgezogene Raum mit Bücherregalen folgt,
bis hinten eine mobile Glaswand kommt und dahinter (über eine breite Treppen führend) das Schmückstück - der Lichtsaal der Poesie. Die neue Fassade ist aber schon im Bild auf der Baustellentafel zu betrachten: sehr klar, sehr klassisch, fast so wie früher.

Und so ist auch der Name, Heine Haus soll es heißen, mit der 110 Quadratmeter großen Literaturhandlung im Heine Haus (also nicht mehr "Literatur bei Rudolf Müller") sowie dem Café und dem Literaturzentrum. Letzteres wird zum Leben erweckt mit rund 50 Veranstaltungen im Jahr. Ein Großteil davon plant der neue "Verein zur Förderung des Heine Geburtshauses" mit Maria Elisabeth Thoma an der Spitze.

Ordentlich Leben in die Bude aber soll schon zur Eröffnung kommen mit einem Drei-Tages-Festprogramm (vom 17. bis 19. Februar). Und die Liste der auftretenden Autoren ist schon ein dickes Versprechen auf die Qualität der weiteren Zukunft: Cees Nooteboom ist da und Georg Klein, die beiden Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino und Durs Grünbein, außerdem Birgit Vanderbeke, Hanser-Chef und Autor Michael Krüger sowie Suhrkamp-Chefin und Autorin Ulla Berkewicz – unter anderem.

Zur Eröffnung wird also nicht gekleckert; mit dem Titel, der dieses Literaturjahr überschreiben wird, im übrigen auch nicht: Absolut Heine. Und dazu gehört auch das spezielle Literaturangebot. Das Müller-Profil soll beibehalten werden (also gut sortiert auf den Feldern der gehobenen Belletristik und der Philosophie) und Neues hinzukommen. Vor allem, dem neuen Haus verpflichtet: Heine. All die Neuerscheinungen zum Werk und zum Leben des Dichters werden angeboten, außerdem Heine in Übersetzungen (für Touristen). Stärker wird auch die regionale Literatur ins Programm genommen, jedoch nur ab einem gewissen Niveau. Das versteht sich bei Müller wiederum von selbst.

Und auch die Heine-Steine sollen stilvolle Verwendung finden. Ob es auffällt, wenn ein einziger fehlte? Der Arbeiter nebenan aber scheint Gedankenleser zu sein. "Es sind genau achtzig", sagt er ohne aufzuschauen.
Ist ja schon gut.


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